Dienstag, 30. Oktober 2012

Schön war die Zeit

Morgen kommt das kleine Mädchen in den Kindergarten. Lange habe ich diesen Tag herbeigesehnt, nun, da es soweit ist, ist mir fast nach Weinen zumute.
Die ersten drei unwiederbringlichen Jahre war sie zu Hause, überwiegend betreut von ihren Eltern. Als der kleine Bruder letztes Jahr dazukam, holten wir uns für wenigstens zwei Tage in der Woche Unterstützung durch eine liebevolle Tagesmutter. Dennoch, die meiste Zeit verbrachte sie bei uns. Aus Prinzip.
Ich war nicht drei Jahre zu Hause, sondern bin nach 10 Monaten wieder arbeiten gegangen. Meine Abwesenheit hat der Papa überbrückt, der, für einen Mann ja leider noch immer nicht selbstverständlich, dafür mit in Teilzeit ging. Karriereknick hin oder her. Insgesamt wäre uns sicher ein Krippenplatz günstiger gekommen, aber wir wollten das so. Für den großen Bruder auch schon, für alle unsere Kinder. Wir finden, sie dürfen, wenn sie so klein sind, noch wohlbehütet bei Mama und Papa zu Hause und in ihrer gewohnten Umgebung sein. Aber nicht nur, weil wir es für besser für die Kinder halten (wie übrigens endlich auch mal hier wissenschaftlich bestätigt), sondern auch, weil wir selber die Zeit als so kurz und genießenswert empfinden.
Immer wieder lese ich, wie toll Krippenbetreuung für die Entwicklung ist, wieviel die Kleinen hier schon für's Sozialleben lernen usw. Es scheint, als passe unsere Einstellung, zumindest hier in der Großstadt, nicht mehr in unsere Zeit, ja mehr noch, uns wird oftmals das Gefühl gegeben, wir enthielten den Kindern eine (zeitgemäße) Sozialisation vor.
All diese Argumente lasse ich nicht gelten, zumal sie insbesondere auf unsere Kinder, die hier zu Dritt aufwachsen und wegen ihrer Geschwister unweigerlich den ganzen Tag ihr Sozialverhalten trainieren, nicht zutreffen.
Neben den Angriffslustigen, die unser Modell mit hochgezogenen Augenbrauen kommentieren, gibt es noch die, die sich bedauern lassen. "Toll, wie ihr das hinkriegt, aber wir würden das finanziell nicht schaffen." Ahja. Dass es für uns auch eher ein Luxus als ein Pappenstiel ist, erwähnte ich ja oben schon, deshalb frage ich einfach nur und ganz ernsthaft: Wirklich nicht?
Ich bin mir sicher, wenn es denn gewollt ist, gäbe es in vielen Fällen Lösungen anderer Art!
Nun aber genug der ernsten Worte, zurück zum Kindergartenstart und einem top vorbereiteten kleinen Mädchen:

Den Pilzrucksack gab es zum Geburtstag, ebenso die tolle Brotdose und die Pantoffeln sind vom Flohmarkt.

Kommentare:

  1. Hallo Lena,
    oh, toll - der erste Tag im Kindergarten :-).
    Und zu Deinen kritischen Worten kann ich nur Folgendes sagen: ich finde es schön, dass Ihr Eure Kinder so lange daheim habt/hattet. Und ich sehe es wie Du, dass Kinder das Sozialverhalten alleine schon durch Geschwister lernen können.
    Ich denke, es gibt keine Pauschallösung. Es ist auch situationsbedingt. Für jede Familie und jedes Kind ist das ein oder das andere Modell richtig. Und leider hat man nie den direkten Vergleich "wie hätte sich mein Kind entwickelt, wenn die Situation so oder so wäre?".
    Schön finde ich auch, dass Du und Dein Mann da gleich denkt und er da mitmacht (meistens bleibt Kindererziehung doch alleine den Mamas überlassen).
    Ich wünsche dem kleinen Mädchen morgen viel Spaß bei Ihrem Kindergartentag!

    Viele Grüße, Katja

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  2. Liebe Lena!
    Ich hoffe, dein kleines L. hatte einen schönen ersten Tag im Kindergarten. Unser erster Tag nach dem Wechsel steht morgen vor der Tür.

    Deine kritischen Worte kann ich voll unterschreiben. Wir gönnen uns ebenfalls den "Luxus" der überwiegend häuslichen Betreuung und sind der Meinung, dass die Kinder davon profitieren. War mein Mann doch nach der Geburt der kleinen Maus sogar ein Jahr in Elternzeit und wir zusammen zu Hause.

    Sozialisation findet ja innerhalb der Gesellschaft statt, an der wir unsere Kinder aktiv teilnehmen lassen. Ob das Zusammensein einer künstlich geschaffenen Gruppe Gleichaltriger wirklich sozialisierend wirkt, finde ich eher fraglich.

    Aber es ist wie es ist, irgendwann wollen die Kinder ja auch gerne unter anderen Kindern sein und dann spricht doch nichts gegen den Kindergarten. Beim zweiten Kind geht es alles viel schneller. Meine Kleinmaus kommt im nächsten Sommer ja auch schon in den Kindergarten. Sie würde am liebsten jetzt schon.

    Ich grüß dich
    Barbara

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  3. Ganz vergessen: Die Accessoires sind herzallerliebst.

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  4. Danke, Ihr beiden, im Kindergarten ist es super, da wollen wir jetzt immer hin! Und ja, das ist schon prima, dass wir da gleicher Meinung sind und beide bereit, zurückzustecken. Im Ernst, ich könnte es mir anders auch gar nicht vorstellen und bereue nichts, im Gegenteil. Barbara, stimmt, Dein Mann war ja sogar mit Dir zu Hause. Super! Auch Euch einen schönen Kindergartenstart!

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  5. da ist die Lola aber wirklich einwandfrei vorbereitet, nicht nur materiell (coole Puschen & Co. ), sondern auch "von der Sozialisierung her" :)
    Wenn ich daran denke, dass meine beiden ab Januar in den Kindergarten gehen (Vollzeit), dann freue ich mich einerseits sehr (wir haben echt hart um die Plätze gekämpft mit allen verfügbaren Mitteln) und andererseits wird mir langsam echt mulmig. Gibt es eigentlich auch Eingewöhnung für Mamas? :) (Ich werde dann auch wieder Vollzeit arbeiten gehen, ansonsten wäre das für uns auch nicht machbar.)
    Lieblingsgrüße
    PS: kein einziger Halloweenklingelgeist, aber beim Spaziergang in den Dämmerstunden mit Klara sind uns einige (sehr süsse) Gruselminis begegnet :)

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  6. Immer mehr wird auch für mich klar, dass ich die ersten drei Jahre mit meinem Mädchen haben will, ganz und gar und ich finde eure Einstellung toll. Meine Verlängerung für das 3. Jahr Elternzeit muss bis in vier Wochen beantragt werden, vielleicht habe ich genau diesen Post noch als Entscheidungshilfe gebraucht ;)
    Alles Liebe für die neue Station im Leben eurer Tochter und eine tolle Kindergartenzeit!!!

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  7. Echt? Ja, da freue ich mich aber, dass ich zu der (guten und richtigen!) Entscheidung beitragen konnte!

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  8. Du sprichst mir aus der Seele. Ich bin noch heute für meine Kinder zuhause. Wir kämpfen oft mit dem Geld und haben es doch nie bereut. Die Kinder lieben es sehr wenn sie Essen bekommen, wenn Sie Mama zuhause vorfinden, sie wollen erzählen und benennen das auch.
    Wie oft wurde ich schon dafür angefeindet, auch aus der eigenen Familie.
    Lass Dich nicht beirren, ich bin sicher Deine Kinder werden es Dir danken. Meine tun es und sie sind fast 17, 14 und 2x 7 Jahre alt.
    Ach und übrigens wohne ich ganz nahe an Frankfurt dran.
    Habt einen schönen Sonntag. LG Kirsten

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